Einleitung: Den Übergangenen eine Stimme geben
ATD Vierte Welt
Seit 1987 wird am 17. Oktober der Welttag zur Überwindung der Armut gefeiert. ATD Vierte Welt verbindet mit diesem Tag drei Anliegen:
den Menschen, die ein sehr hartes Leben haben, Ehre erweisen und ihren Widerstand gegen Not und Ausgrenzung würdigen
den notleidenden und ausgegrenzten Menschen Gehör verschaffen und mit ihnen ins Gespräch kommen
jedem einzelnen die Möglichkeit bieten, sich mit den Ärmsten dafür einzusetzen, dass die Rechte aller wirklich für alle gelten
Dieses Jahr haben wir in der Schweiz einen „Zeugenaufruf“ gestartet. Wir haben armutsbetroffenen und anderen Menschen vorgeschlagen, zur Vorbereitung auf den 17. Oktober mündlich oder schriftlich vom Mut und vom Widerstand der Ärmsten zu berichten. Warum dieser Aufruf? Allzu oft hörten oder lasen wir, die Menschen, die in Armut leben, wollten „nicht kooperieren“, sie würden „keine Arbeit suchen“, sie seien „unhöflich“ oder gar „Profiteure“. Wir wollten, dass diese Menschen selber sagen können, wie sie der Verelendung widerstehen. Wir wollten, dass auch Menschen, die zur Zeit nicht in Armut leben, darüber berichten, wie sich die Ärmsten tagtäglich wehren, um zu leben und nicht nur zu überleben.
Verschiedene Organisationen haben auf unseren Zeugenaufruf reagiert: Vereinigungen aus der Region Basel vermittelten einem ständigen Mitarbeiter von ATD Vierte Welt Interviewpartner für ein Video über Mut und Widerstand. Der erste Teil dieses Videos wird um den 17. Oktober an etwa zehn Orten gezeigt. Zwei andere Organisationen stellten uns Texte aus dem Vorjahr zur Verfügung: die Sozialberatungsstellen der römisch-katholischen Kirche Basel hatten für den 17. Oktober 2004 Aussagen über das Armsein gesammelt und der Genfer Verein Realise (Integration durch Arbeit), hatte in seinem Jahresbericht 2004 Interviews veröffentlicht. Zwei Verbände aus der Westschweiz eröffnen am 17. Oktober 2005 Ausstellungen, welche die Ausdruckskraft von Menschen, die mit Einsamkeit, Armut und Ausgrenzung konfrontiert sind, zur Geltung bringen.
Unsere Gesellschaft ist auf die Erfahrung und das Mitdenken der Menschen, die als hilfsbedürfig gelten, angewiesen. Mit diesen Erzählungen von Mut und Widerstand wollen wir dazu beitragen, dass sie als Partner ernst genommen werden.
«Wo immer Menschen dazu verurteilt sind im Elend zu leben, werden die Menschenrechte verletzt. Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen ist heilige Pflicht.»
Joseph Wresinski, 17. Oktober 1987









