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17. Oktober in München

Ist es in einer „Weltstadt mit Herz“, wie man München gerne nennt, besonders schwierig, Armut zu thematisieren? In der Tat – Augen, die das Licht gewöhnt sind, müssen sich erst daran gewöhnen, die Dinge im Dunkel zu unterscheiden.

Zum zweitenmal organisieren wir nun den 17. Oktober in München.
Im vorigen Jahr hatten wir Menschen zu einem Gesprächsforum eingeladen mit dem Thema: „Was haben von Armut betroffene Menschen uns in München zu sagen?“ Wir lernten daraus, dass diese Menschen sehr viel Mut brauchen, aus dem Schatten ihrer Lebenssituation ans Licht einer wenn auch nur kleinen Öffentlichkeit zu treten.

In diesem Jahr wollen wir versuchen, Mut zu machen. Man kann nämlich sozial benachteiligt sein oder gar am Rand der Gesellschaft leben und trotzdem mancherlei Talente besitzen. Am 17. Oktober sollen Menschen die Möglichkeit bekommen, ihre Fähigkeiten herzuzeigen, ohne nach ihrer Herkunft gefragt zu werden. – Père Joseph Wresinski hat einmal gesagt: „Wir haben (im Lager von Noisy le Grand) von einer Welt geträumt, in der jeder sein Bestes geben kann.“ –

Es wird im Stadtteil Giesing nachmittags ein Familienfest „open air“ geben mit dem Namen „ATD – Alle Tragen Dich“ (diese Abkürzung funktioniert allerdings nur auf Deutsch). Initiator dieses Festes ist übrigens ein Familienvater, der Armut aus eigener Erfahrung kennt.

Musik, vielleicht sogar ein kleines Theaterstück, ein Fußballmatch der Liga BUNT KICKT GUT, das Mobile KinderCafé „MoKiCa“ und viel Information soll es geben.

Das heißt, es gibt unter anderem eine Schulklasse, die einen Gospel einstudiert, sowie eine Familie, die mit ihren sieben Kindern eine Band gegründet hat und dazu noch Akrobatik macht, es gibt Jugendliche verschiedener Nationalitäten, die trotz (oder gerade wegen?) ihrer Armut begeisterte Fußballchamps sind und dazu noch Gelegenheit für kleine Hobbyköche, leckere Sachen zubereiten und mit anderen gemeinsam zu verspeisen.

Bewohner sozialer Wohnprojekte werden herzlich eingeladen. Alle Gäste können sich über die Geschichte des Stadtteils, aber auch über Hintergründe und Folgen von Armut schlau machen. Der Sozialforscher Rolf Romaus, Autor des Münchner Armutsberichts, will zum Beispiel an einem Infostand Rede und Antwort stehen.

Eine ökumenische Feier wird in der nahegelegenen Philippuskirche diesen Tag beschließen. Hier sollen die namenlosen Opfer von Hunger, Unwissenheit und Gewalt geehrt werden, und vielleicht gelingt ein neuer Aufbruch in manchen Herzen. So kann es geschehen, das Menschen sich zusammentun, um gemeinsam über den nächsten 17. Oktober nachzudenken.

Angelika Otten
Projektbeauftragte für München
ATD Vierte Welt in Deutschland e.V.
Ang.Otten@t-online.de
Tel. (089) 6901149; Fax (089) 69394308